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Flächentarif erhalten und stärken

Wir bekennen uns zum Flächentarifvertrag. Wir sollen ihn erhalten und stärken. Aber das wird nur gelingen, wenn er nicht nur als notwendiges Übel empfunden wird. Sich dem Tarifsystem anzuschließen ist für Arbeitgeber und Arbeitnehmer freiwillig, und diese Freiwilligkeit ist auch unverzichtbar.

Auf Arbeitgeberseite ist das Urteil eindeutig: Die Tarifverträge werden als viel zu komplex und als zu teuer empfunden. Wenn der Kunde, der nicht auf unser Produkt angewiesen ist, unzufrieden ist, müssen wir darauf reagieren, wenn wir wollen, dass es das Produkt noch eine Weile gibt.

Und vielleicht ist es auch Zeit, mal nachzudenken, ob auch für Gewerkschaften der bewusst gesuchte Streit wirklich das beste Mittel ist, um Mitglieder zu gewinnen. Wenn wir auch hier #Weiterdenker sind, können wir den Flächentarif auch in Zeiten der Digitalisierung zum geeigneten Instrument gestalten.

Niveau:

Die Tarifabschlüsse haben dafür gesorgt, dass Arbeit bei uns sehr, sehr teuer geworden ist. Das bundesweite durchschnittliche Jahreseinkommen eines Metallers liegt bei über 58.000 Euro im Jahr.

Besonders problematisch ist dabei, dass die Einstiegsentgelte – also das Niveau für Un- und Angelernte, die Hilfstätigkeiten ausüben – so hoch ist, dass solche Arbeitsschritte nicht mehr rentabel möglich sind und daher an andere Branchen oder ins Ausland ausgelagert werden müssen.

Gleichzeitig haben wir eine der kürzesten tariflichen Arbeitszeiten der Welt. In Kombination mit der Entgelthöhe ergeben sich damit zunehmend Kosten pro Stunde, die uns kein Kunde mehr bezahlt.

Der Tarifvertrag hat ursprünglich mal Mindestbedingungen festgelegt. Davon sind wir inzwischen weit entfernt. Die Gewerkschaft orientiert sich immer mehr an wenigen Unternehmen. Aber einzelne besonders erfolgreiche Unternehmen können nicht der Maßstab für einen Flächentarif sein.

Komplexität:

Nicht weniger problematisch ist für viele Betriebe die Komplexität der Tarifverträge. Das Regelungswerk bei M+E umfasst neben Entgelt, Arbeitszeit und Urlaub auch Themen wie Weiterbildung, Altersteilzeit, Arbeitszeitkonten, Freistellungen etc.

Einzelne Regelungen sind dabei durch die Regelung von Ansprüchen einerseits und Ausnahmen andererseits so detailliert und komplex, dass sie sich nicht mehr in wenigen einfachen Worten erklären lassen. Auch wenn die Welt komplexer geworden ist: Regelungen müssen verständlich sein.

Umgang:

Wir sehen die Gewerkschaften seit 100 Jahren als Vertreter der Belegschaften und würdigen ihre wichtige Rolle in der Gesellschaft. Wir verhandeln hart in der Sache, aber respektieren die Gewerkschaften.

Allerdings stößt die zunehmend deutlicher werdende Klassenkampfrhetorik der IG Metall viele Unternehmen ab. Das fängt damit an, dass Arbeitskampfmaßnahmen nichts mehr mit dem Verlauf und Inhalt der Verhandlungen zu tun haben. Die Warnstreiktermine stehen manchmal ja schon fest, ehe die Forderung beschlossen wurde, und die 24-Stunden-Streiks fanden aus Prinzip statt, nicht weil am Verhandlungstisch nichts passiert.

Und dann ist die IG Metall dazu übergangen, Forderungen zu stellen, wo es überhaupt kein Problem gibt – vermutlich, um so Mitgliederwerbung zu betreiben. Arbeitgeber und Gewerkschaften haben unterschiedliche Rollen und teilweise unterschiedliche Ziele. Aber beide müssen ein Grundverständnis für die andere Seite haben, anders kann man keine Kompromisse finden. Und sie müssen einander dauerhaft respektvoll behandeln.

Vielleicht wäre es sinnvoller, gemeinsam mit dem zu werben, was gut ist: Laut Umfragen sind – neben einer überdurchschnittlichen Bezahlung, die in unserer Branche ohne Zweifel besteht - die folgenden zwei Aspekte Arbeitnehmern bei der Wahl ihres Arbeitsplatzes besonders wichtig: Gutes Betriebsklima bzw. Arbeitsatmosphäre – und flexible Arbeitszeiten.

Laut Beschäftigtenbefragung der IG Metall sagen die Beschäftigten:

79,2 %: gutes Betriebsklima in der Abteilung.

81,5 %: Gutes Verhältnis zum Vorgesetzten.

Ausreichend Spielräume bei der Einteilung der Arbeitszeit: 66,2 %Die wichtigsten Wünsche der Beschäftigten sind nach Aussage der Beschäftigten weitgehend erfüllt. Vielleicht wäre das gemeinsame Werben mit der Zufriedenheit eine erfolgversprechendere Strategie – für die Nachwuchswerbung der Branche, aber auch für die Mitgliederwerbung der IG Metall.

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